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    Super geschrieben!!! Lot

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Himmel über Wolken

"Mutti, du hast es mir versprochen!", redete Svenja auf ihre Mutter ein. Vor zwei Wochen hatte Beate ihr Wort gegeben, Svenja auf eine gemeinsame Kanutour zu begleiten. "Ach Kind, hab ich nicht genug Stress?" Daniela, Beates Schwiegertochter, war mit der Enkelin unerwartet eine Woche länger geblieben. Jetzt nervte auch noch Svenja. Während sie telefonierte, schlurfte ihr Ehemann Thomas vorsichtig, einen Schritt vor den anderen setzend, den Flur zur Küche entlang. Den Schlauch für das Atemgerät zog er langsam hinter sich her. Die Enden der frisch verknoteten Drähte, die das Brustbein zusammenhielten, lugten am Rande seines Shirts hervor. "Mach ruhig, ich komm mit den beiden schon klar", ermunterte er sie, "abgesehen davon, hast du es ihr versprochen."

 

Aufgepumpt im Schatten der Bäume lag das blaue Schlauchkanu bereit. Die nackten Füße im angenehm kühlen Wasser und die Zehen im Sand vergraben, hoben Beate und Svenja das Boot ins Wasser. Es war heiß am Krakower See, kaum ein Windhauch kräuselte die Oberfläche. Der schwache Duft von frisch gemähten Rasen lag in der Luft. Planschende Kinder durchbrachen die Ruhe in der schmalen Badebucht.

 

Beate machte es sich vorn im Kanu bequem, Svenja bestand auf der Steuerposition im Heck. Gemütlich paddelten sie auf die offene Wasserfläche hinaus. Das kühle Nass teilte sich leise glucksend vorm Bug. Ein Paddelschlag folgte dem nächsten, bis Beate erschöpft ihr Paddel quer vor sich legte. „Du hast länger durchgehalten als ich dachte“, amüsierte sich Svenja. Beate lachte befreit: „Sei nicht so frech, Kind. Meine Knochen sind immerhin 30 Jahre älter!“ Die Frotzelei hielt an und die Tochter sorgte allein für die Fortbewegung.  

 

Svenja gönnte sich eine Pause. Sie hob ihr Gesicht in die Sonne, schloss die Augen und atmete tief ein. Als sie den Blick wieder nach vorn wandte, trieb sie über Wolken. Die kleine Bugwelle hatte sich ausgelaufen. Auf der glatten Oberfläche des Sees spiegelten sich flauschige Schäfchenwolken, umrahmt vom tiefen Blau des Himmels. Lautlos glitten Beate und Svenja durch die perfekte Illusion. Hier und da durchbrach ein nach Insekten schnappendes Fischmaul die Ruhe des Wassers. Funkelnde Libellen nutzten das Kanu für eine kurze Rast.

 

Wenig später umrundeten die beiden eine Landzunge im See. Im neu erschlossenen Blickwinkel hob sich, im hügeligen Grün des Ufers, ein Fleck aus dunklen, knorrigen Bäumen ab. „Weißt du, was das ist?“, wunderte sich Svenja. Beate rätselte: „Vielleicht Überdüngung.“ „Mitten im Naturschutzgebiet, glaube ich nicht.“ Gemeinsam beschlossen sie, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. 

 

Mit kräftigen Paddelschlägen fuhr Svenja ihre Mutter über den See, manchmal setzte Beate ein. Es war eine Insel, silbrig glänzend im Sonnenschein. Große schwarze Vögel umkreisten sie. In die blattlos verästelten Bäume waren unzählige Nester gebaut. Alles an diesem Ort war über und über mit einer weißen Schicht  bekleckert. Ätzender Geruch durchdrang die Luft.

 

Als sie bis auf zwanzig Meter herangefahren waren, schwang sich plötzlich ein dunkler Vogelschwarm in den Himmel. Hunderte Kormorane krächzten im Chor. Die beiden Frauen zuckten gleichzeitig zusammen. Sie schauten sich an und grinsten einander im gegenseitigen Einverständnis zu. „Lass uns zurückfahren, Svenja, für mich ist das genug Abenteuer für heute.“

 

Beate genoss die Rückfahrt entspannt vorn im Boot sitzend. „Danke, Svenja.“ „Mmmhh?“ "Danke, dass du mich überredet hast, mitzukommen. Mir war nicht bewusst, wie dringend ich mal raus musste“, sagte Beate. Svenja lächelte still. `Ich weiß, aber wenn Papa oder ich dir das so gesagt hätten, wärst du niemals mitgekommen´, dachte sie leise für sich.

 

19.2.14 18:54
 
Letzte Einträge: Es läuft wieder ..., Abenteuer im Dschungel (Teil 1), Ausbruch (Kurzgeschichte), Es grüßt die Enterprise (Sci-Fi - Kurzgeschichte), Urlaubsplanung (Kurzgeschichte)


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(22.2.14 15:21)
Super geschrieben!!! Lotti

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