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    Super geschrieben!!! Lot

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Ausbruch (Kurzgeschichte)

„Guck mal da vorne. Das sieht nett aus“, sagte meine Freundin Lisa, vom Beifahrersitz hoffnungsfroh in meine Richtung blickend. Murrend maulte ich: „Ok, wenn du unbedingt jetzt schon was essen musst.“ Kaum losgefahren, wurde unser Samstagsausflug unterbrochen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Wir ergatterten einen der wenigen freien Tische im verwinkelten Gastraum. Die Gardinen zeugten von unzähligen gerauchten Zigaretten. Kinder plärrten laut nach ihren Eltern, rumpelndes Lachen erfüllte die Luft. Das ganze Dorf schien sich ausgerechnet heute hier zum Mittagessen versammelt zu haben. „He! Wenigstens stehen hübsche Blumen auf dem Tisch“, stichelte Lisa. „Wenn sie jetzt noch den Geruch von Bratenfett überdecken würden“, war mein Kommentar.

Ein freundlicher junger Mann nahm unsere Bestellung auf, adrett gekleidet in schwarzem Hemd und weißer Schürze um die Hüften. „Essen kommt gleich“, versicherte er uns und drehte sich schwungvoll zum Nachbartisch. Dabei streifte er den ausgestreckten Arm eines älteren Herrn, der vor Schreck sein Weinglas fallen ließ. Es gelang mir in letzter Sekunde auszuweichen. Der Kellner hatte weniger Glück, rote Flüssigkeit ergoss sich großflächig auf seine Schürze. „Und das am ersten Tag“ hörte ich ihn murmeln. Eilig besorgte er ein neues Glas für den Gast und reinigte den Fußboden von den blutroten Flecken.  

Kaum erhob er sich vom Fußboden, riefen aufgebrachte Eltern: „Bitte, bringen Sie uns endlich den Kindersitz!“. Der junge Mann beeilte sich das besagte Möbelstück heranzuschleppen. Unverständliches Gemecker schallte von der Familie zu uns an den Tisch. „Meinst du, er hat unsere Bestellung schon aufgegeben?“ holte mich Lisa aus meinen Gedanken. „Bestimmt“, antwortete ich zuversichtlich. Der junge Mann schien als Einziger für die unzähligen Gäste da zu sein. Kurze Zeit später brachte er zwei große Spezi an unseren Tisch. Mein Blick fiel auf sein Hemd, dass mit breiigen Substanzen über und über bekleckert war. „Das kleine Kind da hinten“ druckste er entschuldigend. Ich lächelte ihm aufmunternd zu, denn aus eigener Erfahrung weiß ich: Kellnern ist kein Zuckerschlecken.

Meine Augen folgten ihm auf dem Rückweg zur Bar. Ich sah gerade noch, wie sich seine Füße in einem eilig hingeworfenen Rucksack auf der Erde verfingen. Kurz hatte ich die Hoffnung, dass er seinen Fall aufhalten kann. Doch der junge Mann und das Tablet, mitsamt den leeren Gläsern, gingen scheppernd zu Boden. Scherben klirrten. Ein paar Restschlucke spritzten einer älteren Dame direkt in den Schoß. Empört sprang sie auf. Schimpfend ging sie auf den am Boden liegenden Kellner los. Das Gezeter in höchsten Tonlagen lockte den Wirt aus der Küche. „DU TOLPATSCH! Pass doch auf!“ waren die harmlosesten Worte mit denen er den Kellner vor aller Ohren bedachte. „Wisch das Zeug weg und wechsele die verdreckten Sachen!“ grummelte der Wirt.

„Da ist auch noch was!“ ereiferte sich die Frau, als der junge Mann zu ihren Füßen und unter ihren wachsamen Augen die Scherben aufkehrte. Genugtuung umspielte ihre Züge, Beifall heischend blickte sie durch den Raum. Wie Minuten später stellten nervös zitternde Hände die Teller vor uns ab. „Danke“ schallte es von Lisa und mir. Er hatte sich neue Sachen angezogen, sein Gesicht wirkte blass.

Der Kellner begann daraufhin den Tisch neben uns neu einzudecken. Ein Mitfünfziger besetzte ihn schnell und gab hastig seine Bestellung auf. Kaum hatte der Kellner den Gastwunsch weitergegeben, bediente er ein junges Pärchen, sie schwanger, er ganz der besorgte, werdende Vater. „Schatz, trink doch etwas. Dann geht es dir bestimmt gleich besser“, hörte ich ihn behutsam, wie auf ein Kleinkind, auf sie einreden. Plötzlich würgte sie verhalten, drehte sich nach rechts und kotzte direkt auf die blütenweiße Schürze des vor Entsetzen erstarrten Kellners. Mir wurde auch schlecht. Vielmals entschuldigte sich die Frau. Peinlich berührt wischte sie zaghaft mit der Serviette auf der Schürze herum. Der Kellner flüchtete, nur um kurz darauf mit einem Eimer und neu eingekleidet zurück zukommen. Drittes Outfit in weniger als einer Stunde. Lisa grinste vor sich hin. „Was für ein Schauspiel“, flüsterte sie mir zu. Frische Kotze schien ihr wirklich nichts auszumachen.       

Der Herr am Nachbartisch bekam sein Essen aufgetischt. Schweinebraten mit Klößen, ertränkt in Pilzsoße, schielten von seinem Teller. Langsam schnitt dieser Gast den Braten an, nach dem ersten Happen rief er aufgebracht: „Herr Ober!“ Der Kellner kam angehetzt. Angestrengt freundlich, spürbar genervt, fragte er nach dem Anliegen des Gastes. „Seien Sie mal nicht so unfreundlich junger Mann, sonst beschwere ich mich auch noch über sie“ wurde der Kellner belehrt. Betont deutlich legte der Gast das Besteck an den Rand des dampfenden Tellers. Mit gespitzten Lippen verlangte er: „Holen Sie den Wirt, das Fleisch ist schon kalt!“ Geziert schob er nach: „Wie lange haben Sie das eigentlich stehen lassen, junger Mann?“

Im Gesicht des Kellners arbeitete es. Hochrot geworden, funkelten seine Augen vor Wut. Beide Hände griffen den Teller. Unartikuliert schrie er auf und schleuderte das angeblich viel zu kalte Essen ins Gesicht des Gastes. „Es reicht! Ich gehe!“ kreischte er. Wütend riss er sich die Schürze von der Hüfte. Unter den Augen aller im Gastraum preschte er zur Tür hinaus. „Stimmt, was für ein Schauspiel,“ sagte ich zu Lisa. „Und du wolltest hier nicht rein, dabei haben wir jetzt wirklich was zu erzählen!“

8.2.14 10:11
 
Letzte Einträge: Es läuft wieder ..., Abenteuer im Dschungel (Teil 1), Himmel über Wolken, Es grüßt die Enterprise (Sci-Fi - Kurzgeschichte), Urlaubsplanung (Kurzgeschichte)


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