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   25.01.14 07:22
    Das geht ja garnicht!!!
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    Super geschrieben!!! Lot

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Himmel über Wolken

"Mutti, du hast es mir versprochen!", redete Svenja auf ihre Mutter ein. Vor zwei Wochen hatte Beate ihr Wort gegeben, Svenja auf eine gemeinsame Kanutour zu begleiten. "Ach Kind, hab ich nicht genug Stress?" Daniela, Beates Schwiegertochter, war mit der Enkelin unerwartet eine Woche länger geblieben. Jetzt nervte auch noch Svenja. Während sie telefonierte, schlurfte ihr Ehemann Thomas vorsichtig, einen Schritt vor den anderen setzend, den Flur zur Küche entlang. Den Schlauch für das Atemgerät zog er langsam hinter sich her. Die Enden der frisch verknoteten Drähte, die das Brustbein zusammenhielten, lugten am Rande seines Shirts hervor. "Mach ruhig, ich komm mit den beiden schon klar", ermunterte er sie, "abgesehen davon, hast du es ihr versprochen."

 

Aufgepumpt im Schatten der Bäume lag das blaue Schlauchkanu bereit. Die nackten Füße im angenehm kühlen Wasser und die Zehen im Sand vergraben, hoben Beate und Svenja das Boot ins Wasser. Es war heiß am Krakower See, kaum ein Windhauch kräuselte die Oberfläche. Der schwache Duft von frisch gemähten Rasen lag in der Luft. Planschende Kinder durchbrachen die Ruhe in der schmalen Badebucht.

 

Beate machte es sich vorn im Kanu bequem, Svenja bestand auf der Steuerposition im Heck. Gemütlich paddelten sie auf die offene Wasserfläche hinaus. Das kühle Nass teilte sich leise glucksend vorm Bug. Ein Paddelschlag folgte dem nächsten, bis Beate erschöpft ihr Paddel quer vor sich legte. „Du hast länger durchgehalten als ich dachte“, amüsierte sich Svenja. Beate lachte befreit: „Sei nicht so frech, Kind. Meine Knochen sind immerhin 30 Jahre älter!“ Die Frotzelei hielt an und die Tochter sorgte allein für die Fortbewegung.  

 

Svenja gönnte sich eine Pause. Sie hob ihr Gesicht in die Sonne, schloss die Augen und atmete tief ein. Als sie den Blick wieder nach vorn wandte, trieb sie über Wolken. Die kleine Bugwelle hatte sich ausgelaufen. Auf der glatten Oberfläche des Sees spiegelten sich flauschige Schäfchenwolken, umrahmt vom tiefen Blau des Himmels. Lautlos glitten Beate und Svenja durch die perfekte Illusion. Hier und da durchbrach ein nach Insekten schnappendes Fischmaul die Ruhe des Wassers. Funkelnde Libellen nutzten das Kanu für eine kurze Rast.

 

Wenig später umrundeten die beiden eine Landzunge im See. Im neu erschlossenen Blickwinkel hob sich, im hügeligen Grün des Ufers, ein Fleck aus dunklen, knorrigen Bäumen ab. „Weißt du, was das ist?“, wunderte sich Svenja. Beate rätselte: „Vielleicht Überdüngung.“ „Mitten im Naturschutzgebiet, glaube ich nicht.“ Gemeinsam beschlossen sie, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. 

 

Mit kräftigen Paddelschlägen fuhr Svenja ihre Mutter über den See, manchmal setzte Beate ein. Es war eine Insel, silbrig glänzend im Sonnenschein. Große schwarze Vögel umkreisten sie. In die blattlos verästelten Bäume waren unzählige Nester gebaut. Alles an diesem Ort war über und über mit einer weißen Schicht  bekleckert. Ätzender Geruch durchdrang die Luft.

 

Als sie bis auf zwanzig Meter herangefahren waren, schwang sich plötzlich ein dunkler Vogelschwarm in den Himmel. Hunderte Kormorane krächzten im Chor. Die beiden Frauen zuckten gleichzeitig zusammen. Sie schauten sich an und grinsten einander im gegenseitigen Einverständnis zu. „Lass uns zurückfahren, Svenja, für mich ist das genug Abenteuer für heute.“

 

Beate genoss die Rückfahrt entspannt vorn im Boot sitzend. „Danke, Svenja.“ „Mmmhh?“ "Danke, dass du mich überredet hast, mitzukommen. Mir war nicht bewusst, wie dringend ich mal raus musste“, sagte Beate. Svenja lächelte still. `Ich weiß, aber wenn Papa oder ich dir das so gesagt hätten, wärst du niemals mitgekommen´, dachte sie leise für sich.

 

19.2.14 18:54


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Ausbruch (Kurzgeschichte)

„Guck mal da vorne. Das sieht nett aus“, sagte meine Freundin Lisa, vom Beifahrersitz hoffnungsfroh in meine Richtung blickend. Murrend maulte ich: „Ok, wenn du unbedingt jetzt schon was essen musst.“ Kaum losgefahren, wurde unser Samstagsausflug unterbrochen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Wir ergatterten einen der wenigen freien Tische im verwinkelten Gastraum. Die Gardinen zeugten von unzähligen gerauchten Zigaretten. Kinder plärrten laut nach ihren Eltern, rumpelndes Lachen erfüllte die Luft. Das ganze Dorf schien sich ausgerechnet heute hier zum Mittagessen versammelt zu haben. „He! Wenigstens stehen hübsche Blumen auf dem Tisch“, stichelte Lisa. „Wenn sie jetzt noch den Geruch von Bratenfett überdecken würden“, war mein Kommentar.

Ein freundlicher junger Mann nahm unsere Bestellung auf, adrett gekleidet in schwarzem Hemd und weißer Schürze um die Hüften. „Essen kommt gleich“, versicherte er uns und drehte sich schwungvoll zum Nachbartisch. Dabei streifte er den ausgestreckten Arm eines älteren Herrn, der vor Schreck sein Weinglas fallen ließ. Es gelang mir in letzter Sekunde auszuweichen. Der Kellner hatte weniger Glück, rote Flüssigkeit ergoss sich großflächig auf seine Schürze. „Und das am ersten Tag“ hörte ich ihn murmeln. Eilig besorgte er ein neues Glas für den Gast und reinigte den Fußboden von den blutroten Flecken.  

Kaum erhob er sich vom Fußboden, riefen aufgebrachte Eltern: „Bitte, bringen Sie uns endlich den Kindersitz!“. Der junge Mann beeilte sich das besagte Möbelstück heranzuschleppen. Unverständliches Gemecker schallte von der Familie zu uns an den Tisch. „Meinst du, er hat unsere Bestellung schon aufgegeben?“ holte mich Lisa aus meinen Gedanken. „Bestimmt“, antwortete ich zuversichtlich. Der junge Mann schien als Einziger für die unzähligen Gäste da zu sein. Kurze Zeit später brachte er zwei große Spezi an unseren Tisch. Mein Blick fiel auf sein Hemd, dass mit breiigen Substanzen über und über bekleckert war. „Das kleine Kind da hinten“ druckste er entschuldigend. Ich lächelte ihm aufmunternd zu, denn aus eigener Erfahrung weiß ich: Kellnern ist kein Zuckerschlecken.

Meine Augen folgten ihm auf dem Rückweg zur Bar. Ich sah gerade noch, wie sich seine Füße in einem eilig hingeworfenen Rucksack auf der Erde verfingen. Kurz hatte ich die Hoffnung, dass er seinen Fall aufhalten kann. Doch der junge Mann und das Tablet, mitsamt den leeren Gläsern, gingen scheppernd zu Boden. Scherben klirrten. Ein paar Restschlucke spritzten einer älteren Dame direkt in den Schoß. Empört sprang sie auf. Schimpfend ging sie auf den am Boden liegenden Kellner los. Das Gezeter in höchsten Tonlagen lockte den Wirt aus der Küche. „DU TOLPATSCH! Pass doch auf!“ waren die harmlosesten Worte mit denen er den Kellner vor aller Ohren bedachte. „Wisch das Zeug weg und wechsele die verdreckten Sachen!“ grummelte der Wirt.

„Da ist auch noch was!“ ereiferte sich die Frau, als der junge Mann zu ihren Füßen und unter ihren wachsamen Augen die Scherben aufkehrte. Genugtuung umspielte ihre Züge, Beifall heischend blickte sie durch den Raum. Wie Minuten später stellten nervös zitternde Hände die Teller vor uns ab. „Danke“ schallte es von Lisa und mir. Er hatte sich neue Sachen angezogen, sein Gesicht wirkte blass.

Der Kellner begann daraufhin den Tisch neben uns neu einzudecken. Ein Mitfünfziger besetzte ihn schnell und gab hastig seine Bestellung auf. Kaum hatte der Kellner den Gastwunsch weitergegeben, bediente er ein junges Pärchen, sie schwanger, er ganz der besorgte, werdende Vater. „Schatz, trink doch etwas. Dann geht es dir bestimmt gleich besser“, hörte ich ihn behutsam, wie auf ein Kleinkind, auf sie einreden. Plötzlich würgte sie verhalten, drehte sich nach rechts und kotzte direkt auf die blütenweiße Schürze des vor Entsetzen erstarrten Kellners. Mir wurde auch schlecht. Vielmals entschuldigte sich die Frau. Peinlich berührt wischte sie zaghaft mit der Serviette auf der Schürze herum. Der Kellner flüchtete, nur um kurz darauf mit einem Eimer und neu eingekleidet zurück zukommen. Drittes Outfit in weniger als einer Stunde. Lisa grinste vor sich hin. „Was für ein Schauspiel“, flüsterte sie mir zu. Frische Kotze schien ihr wirklich nichts auszumachen.       

Der Herr am Nachbartisch bekam sein Essen aufgetischt. Schweinebraten mit Klößen, ertränkt in Pilzsoße, schielten von seinem Teller. Langsam schnitt dieser Gast den Braten an, nach dem ersten Happen rief er aufgebracht: „Herr Ober!“ Der Kellner kam angehetzt. Angestrengt freundlich, spürbar genervt, fragte er nach dem Anliegen des Gastes. „Seien Sie mal nicht so unfreundlich junger Mann, sonst beschwere ich mich auch noch über sie“ wurde der Kellner belehrt. Betont deutlich legte der Gast das Besteck an den Rand des dampfenden Tellers. Mit gespitzten Lippen verlangte er: „Holen Sie den Wirt, das Fleisch ist schon kalt!“ Geziert schob er nach: „Wie lange haben Sie das eigentlich stehen lassen, junger Mann?“

Im Gesicht des Kellners arbeitete es. Hochrot geworden, funkelten seine Augen vor Wut. Beide Hände griffen den Teller. Unartikuliert schrie er auf und schleuderte das angeblich viel zu kalte Essen ins Gesicht des Gastes. „Es reicht! Ich gehe!“ kreischte er. Wütend riss er sich die Schürze von der Hüfte. Unter den Augen aller im Gastraum preschte er zur Tür hinaus. „Stimmt, was für ein Schauspiel,“ sagte ich zu Lisa. „Und du wolltest hier nicht rein, dabei haben wir jetzt wirklich was zu erzählen!“

8.2.14 10:11


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